Ich habe den mir letztens ausgeliehen und muss sagen, trotz aller Kritik damals nach seinem Kinostart fand ich den richtig gut. Mel Gibson leistet sich halt Sachen, da kann man sich nur Wundern. Einen Film in einer "Alt-Maya-Sprache" zu drehen...
Sagen wir mal so... ...so schlecht fand ich 'Passion of Christ' auch nicht. Etwas blutig und gewalttätig, aber durchaus realistischer als dieser ganze Hollywood-Quatsch.
Aber 'Apocalypto' hab ich noch nicht gesehen. Aber ich denke, wenn ich den mal in der Videothek sehe oder der irgendwo läuft, werd ich mir den auf jeden Fall auch ansehen.
Der hat auch was (so von der Handlung her)... Wird dir bestimmt gefallen (gefangener Familienvater, kraftvoll, jung und wild aussehend ) versteckt seine hochschwangere Frau und seinen Sohn bei einem Überfall auf sein Dorf in ein tiefes Erdloch und hat nun das Problem, erstens zu fliehen und zweitens rechtzeitig zurück zu kommen, um sie aus dem Loch zu retten. Dabei dreht er die Rolle vom Gejagten zum Jäger. Etwas "Predator" und "Papillon" mit dabei. Aber wunderschöne Urwaldaufnahmen und Spannung bis zum Schluss.
Im Grunde die Pocahontas-Geschichte, aber nicht kitschig und bunt, sondern mit viel Poesie und viel wilder Natur. Wunderschön anzusehen. Die Wörter, die im ganzen Film gesprochen werden, kann man fast an einer Hand abzählen.
Ist vom Autor von 'Der schmale Grat', welcher ja auch eher ein poetischer Kriegsfilm mit vielen 'schönen' Aufnahmen ist.
"The New World" habe ich auch gesehen, in einem Uni-Seminar zur Verarbeitung von historischen Ereignissen der Kolonialzeit in Spielfilmen.
Aber ich muss sagen, auch, wenn die Landschaftsaufnahmen sehr hübsch sind - der Film ist eher eine Ode an die Poesie als ein halbwegs realer Bericht. Wenn man dem Film glaubt, bestand das Leben der Indianer darin, Tiere-nachahmend durch Kornfelder zu hüpfen, im Wasser so eine Art Tai Chi zu machen und stundenlang Blätter zu streicheln.
Und wenn man dann noch bedenkt, dass die wirkliche Pocahontas zum Zeitpunkt des Geschehens knapp 11 Jahre alt war, während John Smith die Grenze zur Vierzig bereits gut überschritten hatte, verliert sich die (historische) Qualität des Films doch sehr. Nichts gegen die geflüsterten Dialoge (im Film wird nicht geschrien) und raschelnden Blätter, aber ich hatte mir ein bisschen mehr von dem Film erhofft...
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You can not cage the wind, nor can you quieten him.
Der schmale Grat. Ein leicht anstrengender, esoterischer Kriegsfilm - zumindest habe ich ihn so in Erinnerung.
Apocalypto hat mir aber ziemlich gut gefallen.
And in the dead of a moonless night As your path turns into the black You become one with the darkness And in the dead of a moonless night Who knows if you are brothers Or if you will turn against each other
Naja aber wie willst du denn in der heutigen Zeit so ne "Beziehung" sonst darstellen? Bei Dakota Fanning (ihres Zeichens 12) regte sich ganz Amerika drüber auf, dass sie in nem Film ne Sex bzw Vergewaltigungsszene spielt, das wäre bei Pocahontas nicht anders gewesen, wenn man ne 11jährige und nen 40jährigen zusammen darstellt. In Europa würde man das wohl vom künstlerischen/historischen Standpunkt her betrachten, aber in Amiland wäre das doch ebenfalls ein Skandal gewesen...
"...Life sucks and then you die... then you un-die and die again..."
Naja, da stellt sich wohl eher die generelle Frage, ob man Pocahontas überhaupt als romantisch-tragische Liebesgeschichte verstehen kann...
Es scheint sich laut allen Quellen eher um so eine Art Vater-Tochter-Verhältnis gehandelt zu haben, nicht um romantische Liebe. Und eigentlich - wenn man es ganz genau nimmt - ist die Geschichte eh ganz anders, als die Filme es meist darstellen. Pocahontas wurde zwar zu den Weißen "übergesiedelt", getauft und nach Art eines weißen Mädchens erzogen, doch als Botschafterin ihres Volkes hat sie wohl kaum gedient - ihr Volk hatte sich da längst von ihr abgewandt. Stattdessen wurde sie von der Virginia Trading Company als eine Art Werbefigur genutzt, in europäische Kleidung gestopft und auf höfische Manieren getrimmt. So konnte man sie überall vorzeigen und das in der Zeit sehr gefragte Bild vom "edlen Wilden" propagieren und über die eigentliche, extrem angespannte Lage zwischen den Virginia-Indiandern und Siedlern hinweg täuschen. Nachdem die Briten kein Gold gefunden hatten, hatte sich das Projekt dort ziemlich verrannt, und in den ersten Wintern sind eh fast alle europäischen Siedler verhungert. Da haben die Indianer noch geholfen, aber wenig später ist der Konflikt dann endgültig gewaltsam ausgebrochen, mit vielen Opfern auf beiden Seiten.
Da war es prima, wenn man eine "Indianer-Prinzessin" herum zeigen konnte, die demonstrierte, wie gut man die Eingeborenen umerziehen kann. Das Pocahontas dann mit knapp zwanzig Jahren an Lungenentzündung oder Pocken gestorben ist, weil sie natürlich nicht mit den europäischen Krankheiten und Wettergegebenheiten klar kam, war dann wohl eher ein bedauerlicher Nebeneffekt. In den meisten Filmen taucht das aber eh nicht mehr auf.
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Es geht den Machern von so einem Film ja normalerweise auch nicht primär um historische Korrektheit, sondern darum, dass ihr Film beim Publikum gut ankommt... und die überwiegende Mehrheit sieht nun mal lieber die klassische romantische Liebesgeschichte vor hübschem Hintergrund.
Man behauptet dann zwar als Filmproduzent vielleicht, es handle sich um einen historischen Film oder die Handlung beruhe auf historischen Tatsachen, weil das den Film für viele Leute interessanter macht, aber ich glaube, letztendlich gestaltet man den Film dann in den meisten Fällen doch so, dass er am publikumstauglichsten wird.
Wirklich historisch korrekte Filme sind ja doch eher selten, weil die Produzenten das vermutlich meistens auch gar nicht wirklich wollen, wenn es beim Publikum weniger gut ankäme als die unkorrekte Version.
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Dá fhada an oíche tagann an camhaoir - However long the night, the dawn will come
Sicherlich, der Film ist - hoffe ich zumindest - eher als poetische Romanze gedacht, aber trotzdem... Im Endeffekt ist es nun mal das, was hängen bleibt, und wenn ich in ein paar Jahren Kinder im Geschichtsunterricht frage, ob sie irgendwas über ein positives Kolonialmacht-Eingeborenen-Verhältnis wissen, kriege ich bestimmt Disney's "Pocahontas" oder besagten Film "The New World" aufgetischt. Das wird dann eine Kinderträume zerstörende, aufklärerische und desillusionierende Stunde.
Aber es gibt auch eine Menge Filme, die sehr gut umgesetzt haben, was sie vermitteln sollten. Wer mal einen wirklich guten und extrem tatsachennahen Film über die Begegnung zwischen Siedlern und Eingeborenen sehen möchte, sollte sich "Black Robe" (Deutsche Fassung: Schwarzrock) anschauen.
Der Film behandelt die französischen Bemühungen in Nordamerika und Kanada, ausgehend von Quebéc. Da reist ein Missionar stromaufwärts, um die Huronen zu missionieren, und nahezu sämtliche Szenen entspringen dem Tagebuch eines wirklichen Missionars, der damals seine Erlebnisse niederschrieb - ziemlich selbstkritisch, und er hat sogar sein Scheitern und seine völlige Unfähigkeit mitdokumentiert. Das ganze stützt sich noch auf weitere Berichte der Jesuiten, Coureurs de Bois und Eingeborener, kommt also recht nah an die Abstrusität der ganzen Missionstätigkeit im hohen Norden. Allerdings sollte man gute Nerven für den Film haben.
Und ebenfalls gut ist "Mission", behandelt den angeblichen Jesuitenstaat in Südamerika. Sehr spannend, recht historisch, und sooooo traurig.
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ZitatGepostet von Yavanna Es geht den Machern von so einem Film ja normalerweise auch nicht primär um historische Korrektheit, sondern darum, dass ihr Film beim Publikum gut ankommt...
Da hatte ich bei Apocalypto nicht den Eindruck. Gibson hätte vermutlich (wenn es ihm nur auf Kommerz ankäme) den Film nicht in einer solchen Sprache gedreht. Nun kann man ja auch darüber streiten, ob er sich insgesamt an historische Tatsachen gehalten hat (und wenn ich mich mal so erinnere hat es dazu seeeehr unterschiedliche Meinungen gegeben). Der Film ist aber auch als Spielfilm und nicht als Dokumentarfilm gedreht worden.
Ja gut, Yavanna. Du wirst mich gleich wieder darauf hinweisen, dass du nicht Apokalypto gemeint hast, sondern den Pocahontas-Film. Dieser Handlung kann ich auch nicht viel abgewinnen (Verzeihung Aditù). Das ist alles viel zu verkitscht.
Ich habe ja auch nur "normalerweise" gesagt. Natürlich gibt es auch Filme, die sich so genau wie möglich an historische Tatsachen halten, aber das meiste von dem, was üblicherweise fürs Kino produziert wird, ist eben doch eher Fiktion denn Dokumentation... daran ist im Prinzip ja auch überhaupt nichts Verwerfliches, solange man nicht behauptet, es wäre alles historisch belegt.
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Das mit dem "verkitscht" hatte ich so drastisch nicht ausdrücken wollen, ich habe es mit "sehr poetisch" umschrieben, aber... stimme zu. Vor allem die eine Szene, in der ein Haufen Indianer während eines goldenen Sonnenuntergangs im knietiefen Wasser steht und so eine Art Indianer-Meditations-Tai-Chi machen... Um Nahrungsmittelbeschaffung, Wasserholen, Jagen und Gegenstände herstellen muss sich in diesem Dorf offensichtlich niemand kümmern.
Da hat man dann auch Zeit, im Erwachsenenalter stundenlang mit der Schwester "Tiere raten" zu spielen, durch Kornfelder (wer bearbeitet denn die?) zu hüpfen und in verrenkter Position (sah etwas aus wie diese Eis-Werbung, "like ice in the sunshine") darauf zu harren, dass die Sonne untergeht.
Bei Apocalypto bin ich mir aber auch nicht soooo sicher, was die Intention Mel Gibsons angeht... ich werfe jetzt mal Brennholz ins Feuer und behaupte, dass der Mann einfach eine enorme Schwäche für blutrünstige Inhalte hat... Und was ist blutrünstiger als die Passion Christi, schottisches Gemetzel und vor allem die berühmt-berüchtigten rituellen Herz-raus-reiß-Opfer der mittel- und südamerikanischen Völker?
Ich gebe zu, nur den Trailer gesehen zu haben, aber... hmmm... da hatte ich schon das Gefühl, dass es schon ziemlich um Blutgefledder geht, natürlich vor dem heroischen Bild des einzelkämpfenden Vaters. Da sind bestimmt sehr gute Aufnahmen im Film, und viele wirklich gut eingesetzte Effekte (Sprache, Sonnenfinsternis etc), aber es ähnelt sehr den meisten Sachen, die Mel Gibson macht: Grausam, blutig, blutig, und... blutig.
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Mel Gibsons Filme sind nur vermeintlich historisch korrekt. Eine Sprache macht noch lange keinen Sommer, oder so...
Um was es bei Braveheart oder The Patriot geht, ist tatsächlich eher der masochitische Freiheitskampf eines guten, aufrechten Mannes. Ich würde die Filme eher als "sehr stark von historischer Wirklichkeit inspiriert" bezeichnen (was ja erstmal noch nichts aussagt, ob sie gut oder schlecht sind, ein Film ist ja primär dafür konzipiert, seine Produktionskosten mit Gewinn wieder einzuspielen). Was einen dazu bringen kann, sie für "historisch" zu halten ist die Tatsache, dass die Filme tatsächlich für gewöhnlich dichter an dem ist, was wohl "irgendwie" so passiert ist als andere.
Im Kern muss man sich aber einfach nur "Payback" ansehen, da bekommt man ziemlich genau mit, um was es Gibson bei seinen Filmen geht. Der christliche Leidensgedanke, die Prüfungen (meist auch irgendwie mit körperlichem Leid verbunden) wie ein echter, aufrechter Mann zu überstehen, um hinterher den wohlverdienten Lohn zu bekommen... dass das nicht auch unterhaltsam sein könnte, hat ja niemand behauptet.
Ich denke mal, so richtig friedvoll sind die alten Mayas nun auch nicht miteinander umgegangen. Ich kenne aber auch so richtig blutige Filme (nein, nein nicht was ihr jetzt denkt... keine Splatter) die durchaus nachhaltiger im Gedächtnis wegen ihrer Grausamkeit bei mir geblieben sind, aber durchaus auf Tatsachen beruhen (wie hieß der doch nur mit Tom Hanks ??? Der Soldat James Ryan ???) Ich will auch nicht Mel Gibson in den Himmel loben, der hat weis Gott genug persönliche Probleme und ist auch keine gute Vorbildfigur (so als Mensch). Ich war nur so ein Wenig angetan, dass er sich mit seinem Filmschaffen so etwas aus der "Masse" bewegt und einfach mal was macht, zu was er anscheinend Lust hat. Und... Grausamkeiten (ob blutig oder nicht) gibt es heutzutage auf der Welt genug. Schaut euch nur mal den Kontinent Afrika an Vielleicht hat er ja nicht vordergründig auf solche Szenen gesetzt, sondern war der Meinung, das war nun mal auch so. Im Übrigen wurde nie "voll draufgehalten". Selbst die Opferszenen waren teilweise nur in der Andeutung (aus dem passiven Blickwinkel) gedreht.
Apocalypto habe ich bisher zwar noch nicht gesehen, aber zumindest Braveheart und Die Passion Christi fand ich nun gar nicht sooo schlimm. Bei Braveheart habe ich jetzt nur das Ende als recht brutal in Erinnerung (und eigentlich sieht man die Hinrichtung ja gar nicht, wenn mich nicht alles täuscht). An die Schlachten bis zu dem Punkt erinnere ich mich jetzt gar nicht mehr so. Haben wohl keinen bleibenden Eindruck hinterlassen . Die Passion Christi ist zwar wegen der Gewaltdarstellungen sehr kritisiert worden, aber ich fand den Film schon ein wenig dokumentarisch. Im Gegensatz zu anderen Filmen hatte ich jedenfalls nicht den Eindruck, dass die Gewaltszenen "cool" wirken sollte. Ich würde Mel Gibson vielleicht eher den Vorwurf der Einseitigkeit machen.
Ich hab mir Apocalypto vor ein paar Monaten angesehen und mir nur gedacht, wie langatmig dieser Film ist. Mit der elendslangen Leidensdarstellung der Urwaldbewohner hat er mich auch sehr an die Passion Christi erinnert. Kurzum - mir war zuwenig Abwechslung drin.
Take my Advice - return to the past you came from. The future isn´t what it used to be. - G´Kar
Na ja, bei New World steht ja auch nicht wirklich die Beziehung Smith-Pocahontas im Vordergrund, sondern eher die Poesie.
Und dass Gibson einer ist, dem es auf der einen Seite, nicht katholisch genug sein kann, wenn es ihm in den Kram passt und auf der andren Seite nichts gegen einen handfesten Skandal hat, ist ja auch allgemein bekannt. Er ist einer dieser Scheinheiligen, die ihren Glauben raushängen lassen, wenn sie es gerade mal brauchen und Gott einen guten Mann sein lassen, wenn sie wollen, dass er mal ein Auge zudrückt. Na ja, etwas plastisch ausgedrückt.